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Nur noch 2,3 Monate!

von Leonard @ 2011-06-14 19:51     keine Kommentare

Hallo zusammen!


Lange nichts mehr von mir gehört? Dafür hier ein Monster-Newsletter, der so gut wie alles behandelt, was hier passiert ist.
Fast.
Den Rest gibt's im nächsten.
Und dann bin ich auch schon beinahe wieder da, und ihr könnt mich persönlich ausquetschen.
Bis dahin tröstet euch mit meinen schriftlich fixierten Bruchstücken loser Erinnerung,
Euer
Leonard

Tsunamialarm in SJDS nach Erdbeben in Japan

von Leonard @ 2011-05-03 06:15     keine Kommentare

Hallöchen!


Hier wie versprochen mein neuester Bericht über die Auswirkungen des Erdbebens in Japan hier in Nicaragua, die aber glücklicherweise mehr also nur glimpflich verlaufen sind.
Der Bericht als Download hier.

Beste Grüße,
Leonard

Mal wieder ein Newsletter

von Leonard @ 2011-04-26 06:29     keine Kommentare

Hallo zusammen!


Nach langer Pause hier der nächste Newsletter.
Zu finden als Download hier.
Nächsten Montag gibt es dann auch schon den nächsten!
Eine Neuigkeit, die noch nicht den Weg in den Newsletter gefunden hat: Mein Kollege Tobias fliegt am 2. Mai nach Deutschland und studiert direkt im Anschluss Medizin in Kolumbien. Dann muss ich alleine die Flagge hochhalten... :-)

Beste Grüße bei überwarmen 35° tagsüber,
Leonard

Ein Umzug, der ist lustig...

von Leonard @ 2011-01-04 19:42     keine Kommentare
EIN UMZUG DER IST LUSTIG...
NEWSLETTER NR. 5

In dem verraten wird:
Warum Umzüge auch Spaß machen können,
selber Kochen doch nicht so schlimm ist,
wie Heiligabend ohne Familie ist
und was Stadtkinder auf dem Land machen.



San Juan del Sur, 31. Dezember

Vorgeschichte
Hätte ich diesen Newsletter vor ungefähr 2 Wochen geschrieben, hätte er höchstwahrscheinlich so angefangen: Hier ist
alles scheiße, die Familie ist komplett gestört und eigentlich hätten die alle eine Handgranate unterm Bett verdient. Au-
ßer vielleicht die kleine Diana...
Warum diese harten Worte? Normalerweise bin ich ja Pazifist, aber hört selber...
Wen die folgenden Streitigkeiten nicht groß interessieren oder wer ein schwaches Herz hat, einfach den braunen Text
überspringen :-)
Es war ein lustiger 1. Dezember, als ich der jungen Gastmutter eröffnete, dass ich gerne demnächst ausziehen würde, am
liebsten schon am 7. Dezember (auch wenn ich schon bis zum 16. bezahlt hatte). Ob ich da denn das Restgeld zurück-
kriegen könnte? Nein, das würde nicht gemacht werden. Außerdem hätte die ältere Nelgin ordentlich Schulden bei der
Bank. Ob man denn mal nachschauen könnte, ob auf der Bank noch etwas Geld wäre...? Joa...
Am nächsten Tag lag dann quasi als Antwort ein Schuldenzettel von der Bank auf dem Tisch, innerhalb der nächsten 48h
seien ca 4000C$ (ungefähr 200$) zu bezahlen. Also angeblich kein Geld aufm Konto...
Die junge Nelgin war schon bei diesem Gespräch überaus abweisend und nicht wirklich interessiert, dieses Verhalten
war aber auch schon in den vorherigen Wochen öfters zutage getreten.
Soweit so gut, mit neutralen Gefühlen mir gegenüber kann ich umgehen.
Durch die Trennung von Gaspar, unserem Ex-Gastvater, war die junge Nelgin generell wohl eher auf ihre Probleme fi-
xiert.
2 Tage später, Freitag der 3. Dezember dann, war von Weihnachtsstimmung dann überhaupt nichts mehr zu spüren: Ich
setzte mich gerade zum Mittagessen an den Wohnzimmertisch (wo seit ungefähr einem Monat übrigens auch der Fern-
seher platziert war), und ungewöhnlicherweise setzte sich die junge Nelgin auch zu mir an den Tisch um zu essen.
Und dann ging es los: Leonard, die Gitarre, benutzt du die eigentlich?
Zum besseren Verständnis: Gaspar hatte Tobias und mir seine Gitarre kurz nach Einzug ausgeliehen, weil wir zwei mal
gesagt hatten, dass wir beide Gitarre spielen.
Nachdem nun Tobias ausgezogen war, blieb die Gitarre bei mir. Gaspar, den wir nach seinem Auszug dann mal darauf-
hin angesprochen hatten, meinte, im August 2011 sollen wir sie ihm dann halt mal zurückgeben.
Zurück zum Mittagessen: „Ja, die benutz ich eigentlich schon.“ - „Ja, ich hab den Eindruck, du würdest die nicht gut
behandeln und es gibt da einen Gringo (Amerikaner), der die evtl. kaufen würde. Und dazu will ich die Gitarre einem
Neffen von mir zeigen, um den Wert schätzen zu lassen.“
Aha, schon mal ein dicker Hund. „Ich dachte, die würde Gaspar gehören?“ - „Nein, da hast du dich geirrt. Die gehört
mir, sie ist in meinem Haus, und ich werde die meinem Neffen zeigen.“
Da ich gerade beim Essen war und das mir ja bekannterweise heilig ist, schwieg ich erstmal, aß fertig und ging in mein
Zimmer. Dort habe ich dann erstmal Gaspar und Tobias konsultiert.
Gaspar: „Ja, ich komm demnächst mal vorbei wegen der Gitarre. Mach dir keine Sorgen.“
Ich also zurück zum Essenstisch, wo inzwischen nicht nur die junge Nelgin saß, sondern auch ihre Mutter und eine gute
Freundin von ihr.
Also dann: „Ja, ich hab mal kurz mit Gaspar gesprochen, und vielleicht kannst du ja einfach direkt mit ihm sprechen.“
„Hmmm... NEIN! Also ich zeig die jetzt meinem Neffen, das ist mein Haus, und diese Gitarre verlässt nicht mein Haus!“
(Torschlusspanik weil ich ausziehen will, aha...)

Ich natürlich schon etwas aufgeregt und zittrig, streitet ihr mal in einer Fremdsprache! ;-)
„Ja, ich hätte das aber äußerst ungern, wenn du einfach was aus meinem Zimmer nimmst!“
„Keine Angst, wir werden deine Sachen oder Klamotten nicht antasten. Aber die Gitarre werd ich verkaufen!“
Zwischendurch warfen auch die alte Nelgin und auch die gute Freundin mal ein paar Worte ein, die Freundin sogar,
dass sie meine Position verstehen könne, was die liebe Nelgin aber auch überhaupt nicht von ihrer Schmelztemperatur
herunterbrachte.
Gegen Ende hatte ich sie dann aber soweit, dass sie doch einfach erstmal mit Gaspar reden würde.
Voller Adrenalin machte ich mich dann auf zum Gesundheitszentrum, erstmal abkühlen.
10 Minuten später rief mich dann Gaspar an.
„Ja, Nelgin hat mich gerade extrem angepisst angerufen wegen der Gitarre. Und letzten Endes ist sie mir egal, kannst sie
ihr also ruhig geben.“
Soweit so gut, am nächsten Tag habe ich Nelgin dann die Gitarre ins Zimmer legen lassen. Am Abend, als ich sie gerade
beim Reinkommen mal wieder sah, hab ich sie dann direkt darauf angesprochen. „Hey Nelgin, hast du die Gitarre be-
kommen?“ - „Ja, danke.“
Und das waren dann auch schon die letzten Worte, die ich bis zum heutigen Tag mit Nelgin wechseln sollte.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sich die Familie größtenteils auf Nelgins Seite geschlagen hat und meine Position
im Haus nur noch knapp über „geduldet“ lag.
Nelgin ging mir aus dem Weg und ich ihr, das Essen musste ich des öfteren aktiv einfordern, einmal abends hieß es dann
sogar: „Wie, du willst essen? Ich hab garnicht eingekauft, ich dachte, du wolltest nichts zu Abend essen...“
Die Kurzversion: Mit meiner Gastfamilie gabs einige Verwerfungen, weil sich die Gasteltern getrennt haben und die
Gastmutter mich dann unbedingt in ihren Sorgerechtsstreit/Trennungsstreit mit dem Vater mit rein ziehen musste. Bei
einer für sie elementaren Sache (der Gastvater hatte uns seine Gitarre geliehen, sie wollte sie aus meinem Zimmer neh-
men und verkaufen) habe ich ihr dann Paroli geboten, woraufhin ich die letzten 2 Wochen dann sozial isoliert in der
Familie verbringen durfte. Früher ausziehen hätte ich auch gekonnt, allerdings hätte ich dann das Restgeld verloren, das
wollten sie mir nicht zurück geben.

Mein neues Domizil, das ich schon länger im Auge hatte, hätte ich auch schon vor dem 16. beziehen können. Allerdings
hätte ich mir die 80$ Verlust auf der einen Seite nicht wirklich leisten können, auf der anderen Seite wollte ich diesen
unkulanten Halsabschneidern das Geld auch nicht in den Rachen schmeißen.
Ablenkung
So habe ich dann die Tage gezählt, viel gearbeitet und viel Freizeit bei Tobias oder anderen Freunden verbracht. Dazu
gehörte auch ein verlängertes Wochenende in Managua mit Tobias und drei Nica-Freundinnen, die wir mal in San Juan
kennen gelernt hatten.
Das Wochenende war auch sehr schön, auch wenn vegetarische Ernährung für die drei Mädels im Speziellen und Mana-
gua im Allgemeinen anscheinend etwas sehr ungewöhnlich war.

Und auch wenn alle Nicas außerhalb Managuas irgendwie denken, dass man in der Haupstadt innerhalb von 10 Sekun-
den ohne exzessiven Polizeischutz umgebracht, ausgeraubt oder vergewaltigt wird, ist uns nichts passiert.
Das größte Ärgernis dürfte wohl der Busbahnhof darstellen, wo man uns zu einem angeblichen Expressbus gelotst hat,
der allerdings dann doch ganze 5h statt der anvisierten 3h nach SJDS gebraucht hat.
Umzug
Am 16. Dezember habe ich dann mein Zeug gepackt und mit Hilfe von Tobias und Nando, einem Mitglied meiner neuen
Gastfamilie, eben dieses ins neue Domizil gebracht, ungefähr 250m weiter.
Und was soll ich sagen: Die Atmosphäre ist tausendmal besser und entsprechend fühlte ich mich auch sehr viel besser.
Diese Endorphin-Therapie hat auch bis heute angehalten, wenn auch mit ein paar Absackern.
So kurz vor Weihnachten hat mich nämlich ein bisschen das „Weihnachtsheimweh“ gepackt; es ist einfach etwas sehr
Neues für mich, ohne Familie Weihnachten zu feiern.
Nachdem ich mir dann jedoch einen Sonnenuntergang von vorne bis hinten „reingezogen“ habe, ging es auch schon viel
besser und Heiligabend durch Bars und Discos zu ziehen hat unbestreitbar auch etwas.
Meine Gastoma hat mir zu Heiligabend dann einen „Nacatamal“ gemacht, ein Paket aus Maismasse, Kartoffelscheiben,
Fleisch und etwas Reis. Für mich hat sie dann extra das Fleisch durch Fisch ersetzt. Was soll ich sagen, mit gutem Essen
bin ich leicht zu gewinnen und auch sonst sind die alle weniger geschäftsorientiert, sondern auf ein gutes Miteinander
bedacht. Als einer der Gastbrüder letztens fischen war, habe ich auch prompt eine Scholle geschenkt bekommen.
Bezüglich Essen koche ich nun ja auch selbst, was aber durch die fachkundige Assistenz meiner Gastmutter sehr viel
Spaß macht und auch sehr gute Ergebnisse zeigt, wer hätte es gedacht :-)
Die Wäsche muss ich doch nicht per Hand waschen, was mich doch ein kleines bisschen erleichtert.
Also bis jetzt ein 150 prozentig geglückter Umzug.
Campamiento
Von einer Doktorin, die viel für die FSLN tätig ist, wurde ich spontan nach einer Gesundheitsaktion zu einem „Campa-
miento“ eingeladen, also ein Zeltlager. Und zwar vom 17. auf den 18. Dezember.
Sehr kurzfristig habe ich dann zugesagt, ohne groß zu wissen, was da so auf mich zukommen würde. Doch ich sollte
nicht enttäuscht werden: Alles in allem war ich letzten Endes halb Teilnehmer und halb Betreuer. Da ich mangels fachli-
cher Vorbereitung nicht bei den thematischen Sachen mithelfen konnte eher Teilnehmer, wenn es um das nächtliche Er-
mahnen zur Ruhe um 22 Uhr und 2 Uhr ging, eher Betreuer.
Im großen und ganzen ging das Zeltlager darum, Kindern zwischen 10 und 18 Jahren zu erklären, was sexueller Miss-
brauch ist, dass das nicht erlaubt ist und was man dagegen machen kann.

Die Stimmung auf diesem Zeltlager war einfach nur spitze. Ich hatte zwar schon einmal das Glück, beim DLRG ein Zelt-
lager für Kinder mitbetreuen zu dürfen, was ich damals schon ein super Erlebnis fand. Doch dieses Zeltlager hat das
ganze nochmal deutlich getoppt. Das lag wohl zum einen an den etwas älteren Teilnehmern - ein 18 jähriger Chavalo hat
die ganze Zeit Sprüche vom Stapel gelassen, dass einem die Ohren flackerten - und außerdem an der exquisiten Lokali-
tät.
Wir waren nämlich in Collado untergebracht, einem kleinen Dörfchen mit vielleicht 1000-2000 Einwohnern. Wahrschein-
lich eher weniger. Collado liegt nicht an der Küste, was Auswirkungen auf das ganze Leben dort hat: Allein durch die
fehlende Möglichkeit, dass Touristen kommen, hat Collado weder Strom noch Handysignal und außerdem die schlech-
teste Straße aller Gemeinden im Kreis San Juan del Sur. Es gibt zwar noch das Dorf „La Libertad“ (Die Freiheit), wo die
Menschen so frei sind, dass sie nur mit Pferden zu ihrem Dorf kommen und auch nur, wenn es nicht geregnet hat. Aber
die haben dann so gesehen gar keine Straße.
Collado hingegen eine, bei der einem neben den flackernden Ohren auch noch einmal das ganze Skelett durchgeschüttelt
wird und man sich glücklich schätzen kann, wenn alles nachher noch am richtigen Ort sitzt.
Mir persönlich wurde das Zeltlager als eine Mischung aus pädagogischer Arbeit und Kennenlernen des Landlebens für
verwöhnte Städter (ja, das gibt es hier inzwischen auch schon!) vorgestellt.
Wäre nur die pädagogische Arbeit gewesen, hätten schwache Gemüter wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch
erlitten. Diese war nämlich an deutschen Maßstäben gemessen teilweise unterirdisch, teilweise peinlich und teilweise
halbwegs in Ordnung. So sollten zum Beispiel 10 jährige Jungs vor eine Gruppe aus 28 Jugendlichen und 10 Erwachse-
nen treten und dann laut ihre zuvor aufgeschriebenen 10 Charakterstärken und ihre 5 Charakterdefekte vorlesen. Wo da
der Lerneffekt bezüglich „Selbstbewusstsein“ liegt, weiß ich auch (noch) nicht wirklich.
Ich will mich nicht weiter hierüber auslassen, man kann nur sehr schön sehen, wie pädagogisch behütet und verwöhnt
man in Deutschland aufwächst. Einige Übungen wurden trotz einer Vielzahl von 6-7 Betreuern in einer einzigen lauten
Gruppe durchgeführt. Ein paar Tipps werde ich vielleicht noch einer der Veranstalterinnen mit auf den Weg geben, aber
natürlich so vorsichtig wie möglich, um nicht dem Klischee des weißen Besserwissers zu entsprechen.
Am Abend des ersten Tages sollten alle Gruppen übrigens auch noch irgendetwas vorführen. Da in meiner Gruppe fast
nur Ältere zu finden waren, griff ich den Vorschlag auf, doch eine Art „Sketch“ vorzuführen. Ich habe das ganze dann
etwas in Eigenregie hin zu einem kleinen Improtheater geführt, was für die anderen etwas sehr Neues darstellte. Nach-
dem ich dann ein paar Redebeiträge nach dem Motto „so, jetzt sprechen wir Wort für Wort durch was wir gleich sagen“
5 Minuten vor Vorführung beiseite gebügelt hatte, waren wir dem Begriff Improtheater sogar schon sehr nah gekommen.

Ich wurde dann sogar trotz meines nicht von der Hand zu weisenden Sprachnachteils zum Erzähler ernannt und habe
dann mit in die Hände klatschen immer kurz das Spiel meiner sehr engagierten Schauspieler (es ging um Prügeln, Boxen
und Versinken im Drogensumpf) angehalten, die Hintergründe erklärt, und dann weiter laufen lassen. Wen das Ende
interessiert: Der arme kleine Juan ist mit einem Boxtraining von der Straße und seiner Sucht geholt worden.

Die anderen Gruppen haben kurze Tanz- oder Singvorstellungen zum Besten gegeben, die kulturgemäß auch sehr schön
waren und sehr positiv aufgefasst wurden. Nichtsdestotrotz wurde danach mit CTV (unserer Campkamera) bei Lager-
feuerlicht durch die Gegend gerannt und alle anwesenden Erwachsenen um ein Rating gebeten. Und 5 von 7 interview-
ten Personen meinten dann auf die Frage, welche Vorstellung ihnen denn am besten gefallen hätte: „Das vom Leonar-
do!“ was mich immer noch zu einem Schmunzeln animiert.
Bei einer der unzählbaren Reden aller Persönlichkeiten von eventueller Bedeutung; des Dorfpfarrers (ausnahmsweise
ein Protestant), meinte die Veranstalterin dann noch, dass ihr unser Theaterstück sehr gut gefallen hätte. Wir sollen es
doch einfach noch auf sexuelle Ausbeutung von Kindern ummünzen, dann könnte es noch öfters das Rampenlicht erbli-
cken. Alles in allem habe ich glaube ich noch nie so oft in Reden Erwähnung gefunden (Dorfpfarrer: „Wir beten für alle
Kinder, Jugendliche, Betreuer, Organisatoren und Ausländer, die sich das Dorfleben anschauen möchte...“) und auch
noch nie so viele Applause für meine Person einheimsen dürfen.
So also dann nach 36h Zeltlager, davon maximal 6h Schlaf, geschafft aber auch glücklich zurück in mein neues Zuhause.

Meine Arbeit

"Meine Kurse"
Also die "Verbandskurse mit Katastrophen- und Unfallelementen" wie sie jetzt auf Fachdeutsch so schön heißen, haben
einen großen Anklang beim Städtepartnerschaftsverein und der Stadt Gießen gefunden. Deswegen darf ich mich jetzt
glücklich schätzen, mit 200€ Vereinsgeldern diese Kurse mit dem Centro de Salud durchzuführen.
Wer sich weitergehend hierzu interessiert, dem kann ich gerne mal den Projektantrag zuschicken.
Wann genau ich damit anfange, weiß ich noch nicht, ein bisschen Planungszeit brauche ich noch. Viele Absprachen müs-
sen noch mit den Gemeinden geführt werden um Teilnehmer und eine (symbolische) Teilfinanzierung der Gemeinden
zu besprechen.
Das Material für diese Kurse lässt sich gut hier organisieren. Außerdem habe ich inzwischen schon Kontakte zum Nica
Rotkreuz geknüpft, die mir auch schon wertvolle Tipps geben konnten und bei denen ich ja inzwischen auch eine "So-
corrista"-Ausbildung (Sanitäter) mache.
Die Schwimmkurse sind (noch) nicht so weit gediehen: Ich weiß leider immer noch nicht, ob es hier ein Übungsbecken
gäbe und auch nicht genau, ob überhaupt eine Nachfrage nach diesen Kursen besteht. Ich vermute zwar schon, aller-
dings weiß ich noch nicht, wie viele Kinder das wären etc.
Erwachsenenschwimmkurse würden wahrscheinlich auch gut ankommen, es gibt nämlich auch viele Erwachsene, die
nicht schwimmen können.
Hier würden mir jedoch ein paar Sachen noch fehlen, wie zB. Schwimmbretter. Die gibts hier sicher auch, kosten nur
natürlich auch etwas. 
Hier fehlt also alles in allem einfach noch etwas Recherche, vllt. auch etwas Motivation
Gesundheitszentrum
Abgesehen davon habe ich gerade Ferien im Gesundheitszentrum, wo aber alles super verläuft.
So hat das Gesundheitszentrum 500 Impfdosen gegen Hepatits B geschenkt bekommen, die dann schnell unter die Be-
völkerung gebracht werden sollten. Hierzu nehme man:
•eine Krankenschwester/einen Doktor + ggfs. einen Freiwilligen
•einen Thermokanister mit 50 Impfdosen
•einen Plastikbeutel mit Wolle und etwas Wasser
•einen Packen Einmalspritzen
•einen Entsorgekanister aus Pappe für Medizinabfälle

und schon kann es losgehen: Jede Gruppe kriegt ein Viertel zugeteilt, wo dann von Haustür zu Haustür gegangen wird
und einfach alle Leute geimpft werden, die einem über den Weg laufen. Und das beinhaltet dann auch die auf der Stra-
ße.
Am ersten Tag bin ich noch mit einem Doktor durch die Zona Central gelaufen, wo wir innerhalb von einer Stunde 30
Leute geimpft haben. Das heißt er hat geimpft, ich habe die Namen und das Alter aufgeschrieben und das wars.
Übrigens sollen hier jetzt auch Impfausweise für Erwachsene eingeführt werden - Kinder haben alle einen - allerdings
verlieren die Leute die anscheinend gerne. Der Doktor hat mir dann aber schonmal erklärt, wie das so mit dem Impfen
ist, warum man keinen Alkohol für die Wattebäuschchen benutzt und wo man da reinpikst.
Am zweiten Tag bin ich dann mit einer jungen Krankenschwester ins Barrio Chino (außer dem Namen hat dieses Viertel
nichts mit Chinatown zu tun) gegangen.
Und die meinte dann, ich solle das doch auch mal probieren, mit dem Impfen. Und so habe ich dann im Laufe des Tages
um die 25 Leute geimpft. Schon ein cooles Gefühl wenn man bedenkt, dass das in Deutschland wohl nicht so einfach
möglich wäre :-)
Falls ihr also auch mal was injiziert braucht: Ich bin jetzt vom Fach ;-) Und eigentlich unverständlich, dass Ärzte dafür in
Deutschland um die 15 € verlangen. Von daher kann ich es verstehen, dass meine Krankenkasse nur 4,66€ für das ei-
gentlich Impfen übernimmt...
So viel von mir, alles Gute nach Deutschland,
Leonard

Und zum Schluss sei noch gesagt:
BOHNEN KANN MAN NIE GENUG HABEN!

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich jetzt schon eine wahnsinnige Spannung auf den nächsten Newsletter bis über den ganzen großen Ozean verspüre, muss ich mir jetzt notgedrungen ein paar hanebüchene Nebensächlichkeiten aus den Fingern pressen.
Aber nein, Spaß beiseite, inzwischen gibt es schon so viele Neuigkeiten, dass ich schon wieder völlig überfordert bin, das alles in ein paar nett zu lesende Zeilen zu verpacken.

Fangen wir an bei einer Gesamteinschätzung der politischen Großwetterlage, um die Katze von hinten aufzurollen (mir ist grad kein passenderes Sprichwort eingefallen, Entschuldigung).
Diesbezüglich ist ein schon jahrelang existenter Streit zwischen Costa Rica und Nicaragua wieder aufgeflammt. Nach einer wahrlich langen Recherche kann ich das Problem sogar halbwegs nachvollziehen. Vor dem Lesen einiger deutscher Medien hatte ich nämlich nur die stark vereinfachten Reden einiger nicaraguanischer Politier mitgekriegt, und obwohl ich die Reden von der Sprache her eigentlich verstanden habe, ist mir selbst der eigentliche Konflikt größtenteils verborgen geblieben. Und so wirklich objektive Medien und/oder halbwegs neutrale Einschätzungen und Zusammenfassungen der Presse hier sind auch nicht wirklich zu erwarten. Entweder die Zeitung ist regierungsnah oder oppositionsnah. Dazwischen: Pustekuchen...

Inzwischen weiß ich jedoch: der Río San Juan, der Costa Rica und Nicaragua voneinander trennt, wird momentan gesäubert und ausgebaggert, um größeren Schiffen die Durchfahrt zu erlauben. Dahinter wiederum steht der Plan Nicaraguas, eine Konkurrenz zum bestehenden Panamakanal zu erschaffen. Dieses Ziel liegt aber erstmal noch in weiter Ferne.
Im Zuge dieser Säuberungsaktion fanden auch einige Razzien gegen Drogenschmuggler statt. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ist mir aber immer noch unklar.
Bei besagter Säuberungsaktion half auch das Militär Nicaraguas mit. Nun setzten also ein paar Militärs auf eine Insel über, von der sie angeblich dachten, sie würde zu Nicaragua gehören. Warum? Ganz klar, der amtliche und bekannterweise 150% korrekte Kartenservice von Google zeigte an, dass besagte Insel zu Nicaragua gehören würde. Und so als Militär verlässt man sich natürlich auch ohne Nachfrage auf so einen Kartenservice.
Naja, die Geschichte geht so weiter, dass Costa Rica eine Invasion Nicaraguas fürchtet, Google gibt bekannt, dass die Grenze so nicht korrekt war und beide Staaten wollen nicht mal miteinander reden, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Dickköpfe...
Der Fluss gehört übrigens wirklich zu Nicaragua, das Land auf der anderen Seite zu Costa Rica. Soweit, so einfach. Um das Problem nicht wirklich zu lösen aber um überhaupt irgendwas zu machen, hat das Nica-Parlament beschlossen, den Río San Juan in "Río San Juan de Nicaragua" umzubenennen. Hauptsache irgendwas gemacht und ja nicht einlenken...

Eine kleine Anekdote dazu: Während Daniel Ortega, Präsident Nicaraguas, im Fernsehen eine offizielle Ansprache hält, ist kein einziges anderes Programm mehr zu empfangen als der offizielle "Canal 2", der die Rede live überträgt...

Dann eine andere Sache von ziemlich großer Bedeutung (auch für mich): Aufgrund der starken Regenfälle in letzter Zeit hat sich die Leptospirose epidemieartig über ganz Nicaragua verbreitet. Leptospirose wird durch Ratten- und Mäuseurin übertragen und wenn es regnet, können sich natürlich auch schnell mal ein paar Flüsse, Seen oder Ähnliches kontaminieren. Ohne Regen wäre die Situation wohl bei weitem nicht so schlimm.
Und so gab es dann innerhalb von ein paar Tagen schon ganze 16 Todesfälle und sehr viel mehr Erkrankte. Die Leptospirose kann tödlich enden, muss aber nicht. Bei guter und rechtzeitiger Behandlung innerhalb von 5 Tagen kann mit Penicillin behandelt werden, danach können nur noch Symptome wie hohes Fieber etc. gemildert werden - das ganze geht aber größtenteils gut aus.
Die Konsequenz für uns war, dass Tobias, ich und generell das ganze Gesundheitszentrum durch ganz San Juan und Umgebung getigert ist und jedem, der sich nicht gewehrt hat, eine Chemoprophylaxe verabreicht hat. Diese sah so aus: Kinder von 2-9 Jahren erhalten Amoxicyclin, alle über 10 Jahren Doxicyclin. Schwangere auch Amoxi. Erst nach ungefähr einer Woche ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie verantwortungsvoll diese Aufgabe eigentlich ist: Die erwähnten Antibiotika haben bei garnicht mal wenigen Personen ganz schön ordentliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und generelles Unwohlsein hervor gerufen. Und ich als Nicht-Arzt sollte da einfach mal so Medikamente verteilen.
Dazu muss ich allerdings auch erklären, dass das hier "alles ein bisschen anders" ist. So nehmen die Nicas sehr viel schneller mal eine Tablette. Hustensaft wird gleich aus der Flasche getrunken. Wenn ich also ein Grippe mit einem Tag im Bett einfach auskurieren und den Körper seine Arbeit machen lassen will, wird man ganz schön komisch angeguckt. "Wie, du nimmst keine Tablette?" war der Kommentar unserer zweiten Gastmutter. Die Personenkonstellation in unserer Gastfamilie ist übrigens etwas schwieriger geworden, aber dazu später mehr.

Alles in allem habe ich beim Medikamenteverteilen aber strikte Richtlinien erhalten und durfte auch erstmal das ganze mit Leonel "ausprobieren" und ihm assistieren. Dadurch habe ich auch sehr schnell alle notwendigen Fragen (Schwanger? Allergisch gegen Medikamente? und beim Alter: 10 Jahre vollendet?) gelernt.
So kann ich glaube ich doch guten Gewissens behaupten, dass ich das ganze sehr gewissenhaft gemacht habe. Andere Schüler, die aufgrund von Personalmangel mal eben rekrutiert wurden, haben das alles sehr viel leichtfertiger gemacht. Tobias und ich sind so zB mal mit zwei Mädels "medikamentieren" gegangen. Und die haben die Frauen teilweise garnicht gefragt ob sie schwanger sind, nicht auf die richtige Dosis geachtet oder nicht über Nebenwirkungen informiert.
Ich glaube jedoch, dass das weniger Unlust oder "Alles-egal-Haltung" war, als mehr einfach eine gewisse junge Naivität. Die Mädels waren so ungefähr 16 Jahre alt und haben sich über die richtige Dosis zum Beispiel einfach weniger Gedanken gemacht als ich oder Tobias.
Eine etwas komische Situation habe ich bei der Medikamenteverteilung auch mit einer Ärztin gemacht.
Kinder zwischen 2 und 4 Jahren erhalten Amoxicyclin nämlich als Flüssigkeit, und zwar 500mg Wirkstoff. Nun gab es jedoch zwei verschiedene Pulverfläschchen zum Auflösen, eines mit 250mg pro 5ml, das andere mit 125mg pro 5ml. Das heißt, einmal mussten die Kinder 10ml und bei den anderen Fläschchen 20ml erhalten.
Als ich die Ärztin dann bei einer kurzen Besprechung darauf aufmerksam machen wollte, dass die Kinder jetzt nicht 10ml, sondern 20ml erhalten müssen, wollte diese mir partout nicht glauben. Ich musste sie dann wirklich geschlagene 5 (-fünf-) Minuten darum bitten, doch einen Blick auf das Fläschchen zu riskieren. Mit uns waren noch besagte zwei Mädels und ein anderer Schüler bei der kurzen Medikamentierungs-Anleitung, die nach meiner zweiten Entgegnung, das sei so nicht ganz richtig, schon verhalten anfingen zu lachen.
Und normalerweise bin ich ja nun wirklich nicht rechthaberisch, aber hier ging es ja dann doch um eine wichtige Grundsatzfrage. Alle Kinder, die nur 10ml erhalten hätten, wären ja wahrscheinlich nicht wirklich gut geschützt gewesen.
Aber nach erwähnten 5 Minuten setzte die Ärztin dann tatsächlich ihre Brille auf, schaute kurz auf die Flasche, dich ich ihr die ganze Zeit zeigen wollte und musste mir dann mehr oder weniger wiederwillig Recht geben. "El muchacho tiene razon..."
Bitte macht nicht den Fehler und denkt jetzt, dass alle Nicas rechthaberisch seien, Leonel meinte später, dass die ganze Familie sehr auf ihrer eigenen Meinung beharren würde :-)

Die erwähnten Medikamentierungstouren stellen übrigens einen derzeit recht großen Teil meiner Arbeit dar. Abgesehen davon gebe ich nun auch schon seit 2-3 Wochen Sportunterricht in einer öffentlichen Schule in der Nachbarschaft. Die 1., 2. und 3.-Klässler haben nämlich keinen Sportlehrer, weswegen Jonas und Micha letztes Jahr damit anfingen, für fünf Klassen den Sportunterricht zu schmeißen. Tobias hat die zwei 2. Klassen, ich habe zwei 1. Klassen und eine 3. Klasse. Alle haben jeweils 2 Stunden Sportunterricht für 45 Minuten pro Woche. Das heißt, ich verbringe sechs Schulstunden in der Grundschule.
Der Sportunterricht macht im großen und ganzen wahnsinnig Spaß, ich werde jetzt des öfteren mit kleinen Freudenschreien "Proooffeee!!!" auf der Straße begrüßt und es ist auch keine Seltenheit, dass kleine Kinder auf mich zurennen, mich umarmen und "Hola, Profe!" sagen.
Schon ein witziges Gefühl :-). In meiner Nachbarschaft wohnt auch einer meiner Schüler, der mir ganz ausdauernd beibringt, wie man "Trompo", also Kreisel hier zum Drehen bringt. Ich krieg den momentan nur immer auf den Kopf hin...

Die Arbeit im Gesundheitszentrum nimmt auch langsam etwas konkretere Formen an. So haben wir jetzt halbwegs feste Tage, an denen wir dort auftauchen und irgendwie mitarbeiten. Letzten Endes entscheidet sich jedoch auch vieles erst am Vortag.
Dann war ich jetzt auch schon einmal am "Instituto", der Sekundarschule hier. Das Instituto ist übrigens die Partnerschule einer Schule in Großen-Buseck.
Dort habe ich einfach mal beim "Computerunterricht" zugeschaut. Bis auf eine gewisse organisierte Unordnung ist der Unterricht jedoch ähnlich wie den, den ich zwei Jahre bei Frau Gutjahr in Stuttgart genießen durfte. Excel, Powerpoint, ein bisschen Word etc.
Mal sehen, ob ich nicht nächstes Jahr auch etwas da mitmischen darf. Die Schuldeligierte hier für das Gebiet Rivas hat mir jedoch gesagt, dass sie noch einen Computerlehrer in einem Dorf in der Nähe bräuchte. Die Schule dort nimmt nämlich an einem Computerprojekt der Vereinten Nationen teil und kriegt Internet und für einen Tag in der Woche Notebooks gestellt.
Das mit dem Englisch-Unterricht hat sich jedoch etwas "erledigt". So ist die Freiwilligendichte hier in San Juan gefühlt sehr, sehr hoch. Neben ein paar Amis, die neben einem schönen Sozialgefühl gerne etwas Urlaub machen, will hier quasi jeder Englisch-Unterricht geben. Da halte ich mich dann vielleicht lieber an die Arbeit im Gesundheitszentrum, den Sportunterricht, wo ich wirklich gebraucht werde und Ähnliches.
So hatte ich die Idee, Schwimmunterricht zu geben. Außerdem wurde ich nun schon von vielen Leuten angesprochen, ob ich nicht Erste-Hilfekurse geben könne. Natürlich bin ich kein richtiger EH-Ausbilder und auch nicht vom Nica Rot-Kreuz.
Aber so eine Art Verbandlehre mit ein paar Notfallhilfeelementen könnte ich mir sehr gut vorstellen. Zumal das Nica RK (Cruz Roja Nicaragüense) dieser Aufgabe anscheinend so gut wie garnicht nachkommt. Hier in San Juan gibt's auch keine Niederlassung des CRN.
Allerdings stellen sich noch einige Probleme: Hier gibt es keine Verpflichtung, im Auto einen Verbandkasten zu haben, und einfach so haben die Leute hier natürlich kein Verband- oder Unfallhilfematerial zuhause rumfliegen. Was aber durchaus sinnvoll wäre, wenn der Ambulanzjeep eine Stunde bis zum Dorf braucht (wie das zB in Tortuga der Fall ist).
Vielleicht könnte ich ja auch mithilfe eines solchen "Unfallkurses" ein paar halbwegs genormte Verbandkästen zu Vorteilspreisen unter die Bevölkerung bringen. Vielleicht beteiligt sich ja auch die Stadt Gießen an solch einem Projekt. Oder auch das NicaRK. Eigentlich wäre es nämlich deren Aufgabe, solche Kurse hier zu veranstalten.
Alles in allem ist der Unfallkurs (hat da jemand vielleicht einen schöneren Namen für mich?) momentan weitaus ausgereifter, das mit dem Schwimmkurs muss ich mir noch überlegen. Eine nicht repräsentative Umfrage unter meinen Schülern der 3. Klasse hat ergeben, dass fast alle irgendwie schwimmen können, einige sogar kraulen, es jedoch auch ein paar gibt, die mit Wasser außer Trinken quasi nichts anfangen können :-).

Ab dem 23. November haben alle Schüler übrigens lange, lange Ferien, bis in den Februar nämlich. Das Schuljahr geht hier nämlich von Februar bis November, diese Ferien wären also unsere "Sommerferien". In dieser Zeit werde ich wohl auch etwas mehr diesen eigenen Projekten nachkommen können. Nächsten Montag geht's deswegen auch mal nach Rivas um den Kontakt zum Roten Kreuz dort vor Ort herzustellen und sich mal vorzustellen.

Bezüglich Wohnsituation gibt es übrigens auch Neuigkeiten: Tobias ist inzwischen zu Lara und Kim gezogen, zwei anderen deutschen Freiwilligen.
Er ist von zuhause aus mehr der Einzelgänger und wollte darum lieber mit Leuten zusammen ziehen, mit denen er nicht auch noch arbeitet, abends ausgeht etc.
Wohin es mich dann zieht, ist mir noch nicht ganz klar. In der derzeitigen Gastfamilie will ich nur eher ungern bleiben, da ich nach 2 Monaten dort immer noch eine Art "Hotel-feeling" habe.
Außerdem haben sich unsere Gasteltern vor kurzem auch noch getrennt, wobei es zu ein paar unschönen Szenen gekommen ist:
"Wann hast du das Geld?"
"Ich habe es nicht hier."
"Hast du es morgen?"
"Keine Ahnung."
"Ok, dann nehme ich halt die Kleine mit." sprach der Gastvater und nahm die Kleine mit. Keine Sorge, eine Stunde später war sie wohlbehalten wieder da. Aber irgendwie ist die Stimmung nun nicht mehr so locker, da ich mich recht gut mit dem Gastvater verstanden hatte, mit dem Rest der Familie aber nicht so wirklich warm wurde.
Was dazu recht amüsant wirkte: Leonel meinte, ja, so Trennungen kommen vor (hat er ja auch recht mit), als wir jedoch einmal abends ausgesperrt wurden, meinte er, wir sollten schnellstmöglich da raus... Versteh da einer noch die Nicas ;-P

Für mich gibt es jetzt die Möglichkeiten, bei der derzeitigen Gastfamilie zu bleiben, mit jemand anderem eine kleine WG zu gründen oder mir eine neue Gastfamilie zu suchen. In einer Gastfamilie wäre das "Nica-Feeling" sehr viel stärker, in einer WG würde ich wohl etwas mehr Selbstständigkeit lernen (müssen), was meine Eltern wohl vor allem freuen dürfte ;-).
Nicht, dass ihr jetzt einen falschen Eindruck von mir kriegt, aber eine eigene Wohnung ist natürlich schon nochmal ein großer Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.
Bezüglich Personenkonstellation ist also der Gastvater nun ausgezogen und Tobias ist 100m weiter gezogen. Als quasi-Ausgleich ist jedoch nun schon seit längerer Zeit die Mutter meiner Gastmutter von Bekannten aus El Salvador zurückgekommen. Meine Gastoma sozusagen, mit 60 Jahren kommt das für hiesige Verhältnisse auch in etwa hin. Seitdem gibt es auch mit verblüffender Regelmäßigkeit Bohnen. Noch wachsen sie mir jedoch noch nicht aus der Nase, dementsprechend noch alles im grünen Bereich.

Also alles in allem geht es mir nach wie vor gut, auch wenn ich jetzt etwas unabhängigere Wege einschlagen werde. Die Arbeit wird immer konkreter und ich habe auch das Gefühl, hier neue Dinge zu lernen, und auf der anderen Seite den Nicas auf verschiedene Art und Weise helfen zu können. Also genau das, was ich mir auch im Vorfeld vorgestellt habe; hier ein kleines bisschen was zu verbessern und auf der anderen Seite durch schöne und auch weniger schöne Erfahrungen dafür belohnt zu werden.
Soweit also mein Zwischenfazit nach 2 Monaten San Juan del Sur :-)

Und zum Abschluss noch ein paar Bilder, weil die bisher etwas zu kurz kamen:




Über Feedback würde ich mich wie immer sehr freuen. Was für eine Wohnmöglichkeit würdet ihr mir denn empfehlen?

Beste Grüße nach Deutschland (wo es gerade etwas kälter sein soll als hier),
Leonard